Faire Milchpreise garantieren!Seit Anfang des Jahres kauft die
EU-Behörde wieder Butter und Milchpulver in großen Mengen auf. Dies ist
ein gutes Instrument, um die Preise zu stabilisieren und die
Milchbauern zu unterstützen.
Exportsubventionen müssen enden
In
ganz Europa leider Bauern unter fallenden Milchpreisen. Für zahlreiche
Höfe wird die finanzielle Situation bereits kritisch. Ich bedauere
diesen Zustand und bin froh über die Reaktion der EU-Politik: Am 25.
Mai 2009 gab EU-Landwirtschaftskommissarin Marian Fischer Boel nach
einem Treffen der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel bekannt, dass
70 Prozent der jährlichen EU-Direktzahlungen zwei Monate früher als
sonst üblich an die Bauern ausgezahlt werden. Bis zum 16. Oktober
müssen die Milchbauern aber dennoch warten.
Aus meiner Sicht
sollte die EU aktuell auch über Unterstützungen für Stilllegungen von
Milchbetrieben nachdenken, um das Überangebot zu senken.
Milchquote wird erhöht
In
der aktuellen Diskussion fällt immer wieder die „Erhöhung der
Milchquote“ als Grund für den Preisverfall. Die Milchquote wird
innerhalb der nächsten fünf Jahre um jeweils ein Prozent schrittweise
angehoben. 2015 fällt die Mengenbegrenzung ganz weg. Die Reform des
Milchsektors wurde von Parlament und Rat im November 2008 sehr
kontrovers diskutiert, die Meinungen der Abgeordneten und Interessen
der Mitgliedstaaten sind höchst unterschiedlich.
Ich bedauere,
dass viele Milchbauern in Deutschland und Niedersachsen unter dem
Überangebot auf dem Milchmarkt leiden. Fakt ist aber auch, dass der
jetzige Preisrückgang eher mit dem tendenziellen Rückgang im
Milchverbrauch zu tun hat und weniger mit der Milchquote, die im Moment
konstant ist: Wir trinken weniger Milch als früher und essen weniger
Milchprodukte. Dass aber heute Milch teilweise weniger kostet als
Mineralwasser, finde ich absurd. Wir müssen den Landwirten deshalb zu
fairen Milchpreisen verhelfen.
Gleichzeitig lehne ich
Exportsubventionen für Milchprodukte aus der Europäischen Union ab, die
über das Jahr 2013 hinausgehen. Ausgleichszahlungen hingegen brauchen
wir für unsere europäischen Bauern. Neue, bessere Marktinstrumente
können die früheren Exportsubventionen unterstützen, beispielsweise die
Ausgleichszahlungen für Landwirte, die unter schwierigen Bedingungen
wirtschaften müssen (in Bergregionen) oder Umweltmaßnahmen unterstützen
(Grünflächen für die Artenvielfalt).
Die Europäische Union hat
sich bereits mehrfach auf den Verzicht von Exportsubventionen in
Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation (WTO) verpflichtet. Wir
sind gut beraten, wenn wir der Welt zukünftig eine stabile und
verlässliche EU-Handelspolitik bieten.
Auswirkungen auf Niedersachsen
Ein
sehr niedriges Preisniveau bei Milch- und Milchprodukten wird
langfristig den Landwirtschaftsstandort Niedersachsen schaden, wo es
viele kleine Höfe gibt. Ich befürchte, dass derzeit viele Bauern
darüber nachdenken, ob sie ihre Milchkühe zum Schlachthof fahren. Wir
brauchen unsere Milchbauern aber für den Erhalt unserer
Kulturlandschaft.
Wie wichtig die Milchbauern für unser
Bundesland sind, zeigen folgende Zahlen: Niedersachsen ist nach Bayern
das wichtigste Milcherzeugerland in Deutschland. 2007 erzeugten hier
rund 19 000 landwirtschaftliche Betriebe mit rund 750 000 Milchkühen
etwa 5,3 Millionen Tonnen Milch. Der Wegfall der Milchquote im Jahr
2015 kann damit tatsächlich starke Auswirkungen haben, vor allem auf
die Regionen in Niedersachsen, wo sich die Milchwirtschaft konzentriert.
Weitere Informationen:
- Position des Europäischen Parlaments zur Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik
- Europäisches Parlament: Nachlese zur Reform der Europäischen Agrarpolitik
- Feld und Vieh – die europäische Politik für
Landwirtschaft aus Sicht des Europäischen Parlaments
- Beitrag des Europäischen Parlaments: „Landwirtschaft: Marktkräfte und traditionelle Lebensweisen in Einklang bringen“
- Informationen der Europäische Kommission zur „Gesundheitsüberprüfung“ der Agrarpolitik
- Deutsches Bundesministerium für Landwirtschaft: Ergebnis der Gesundheitsüberprüfung
- „EU-Agrarreform“, Die Zeit, 20.11.08
- „Let them eat cake“, The Economist, 22.05.08
- Greenpeace: „EU-Agrarpolitik: Steuerzahler melken, Klima verderben, Bauern ruinieren“
- Deutscher Bauernverband
- „EU-Kommission will Exporthilfen bei Milch wieder einführen“, EU-Info Deutschland, 15.01.09
- Studie zur aktuellen Reform – Auswirkungen auf Niedersachsen
- Landesverband der Milchwirtschaft in Niedersachsen

